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Jörg Pilawa

Meine Reise zu den Minen-Kindern von Burkina Faso

Pissy Die Minen-Kinder von Burkina Faso

Wenn es die Hölle gibt, dann ist sie hier. Sie heißt Pissy. Ein Steinbruch mitten in Ouagadougou, der Hauptstadt von Burkina Faso (Westafrika).

Jörg Pilawa (47) steht am Rand der Hölle. Unten in der riesigen schwarzen Grube schuften rund 2000 Männer, Frauen, Kinder. „So etwas habe ich noch nie gesehen. 700 Kinder, die schwerste körperliche Arbeit verrichten. Du kannst es nicht glauben, wenn du es nicht mit eigenen Augen siehst.“

BILD hat den Star-Moderator nach Burkina Faso begleitet, eines der ärmsten Länder der Erde.

Hier in Ouagadougou unterstützen „Ein Herz für Kinder“ und Unicef ein Hilfsprogramm – es ermöglicht den Steinbruch-Kindern den Schulbesuch. Und entschädigt Eltern für den „finanziellen Schaden“, der durch die fehlende Arbeitskraft entsteht.

30 Cent pro Tag kostet die Bildung für ein Kind. 30 Cent für die Chance, der Hölle von Pissy zu entkommen.

Wenn du die Augen schließt, hört es sich an wie ein Musikstück à la „Stomp“ – endloses melodisches Gehämmer. Es ist die Melodie der Hoffnungslosen.

Kinder, einige kaum älter als fünf, klopfen mit einfachstem Werkzeug die Steine zu Kieseln. Kleine Kiesel, wie sie in gepflegten Vorgärten oder in herrschaftlichen Garageneinfahrten zu sehen sind.

Ihr Lohn für fast zehn Stunden Knochenarbeit pro Tag: weniger als ein Euro.

Immer tiefer hämmern sich die Menschen seit über 50 Jahren in das Höllen-Loch – es kann nur eine Richtung geben, nach unten. Rechts hat sich eine Exportfirma niedergelassen, links spielen Kinder besser gestellter Familien hinter hohen Mauern Basketball. Die Kinder im Steinbruch können es nicht sehen, nur hören.

Irgendwo außerhalb der Hölle muss es so etwas wie Leben, Spaß geben.

Jörg Pilawa ist nachdenklich: „Ich muss natürlich an meine vier Kinder denken. Die sitzen behütet in Hamburg, gehen gerade zur Schule. Sie fragen mich immer: Papa, was machst du jetzt? Wenn ich erzähle, was ich hier gesehen habe, werden sie das nur schwer verstehen können.“

Der TV-Moderator hat zum Beispiel Alima gesehen. Sie ist sechs Jahre alt, mörsert zusammen mit ihrer Mutter. Die hat vor sechs Wochen ein Baby bekommen. Es liegt in eine Decke gewickelt neben ihnen.

Insgesamt hat Alima vier Geschwister. Ein Bruder kann nicht mehr im Steinbruch arbeiten – er hat beim Steine zerkleinern einen Splitter ins Auge bekommen, ist jetzt halb blind. Alima möchte in die Schule, aber die Eltern haben kein Geld – und sie dadurch keine Zukunft. Sie spricht kein Wort Französisch, die Amtssprache. Die größte Freude ihres jungen Lebens? „Ich konnte mich dieses Jahr nach dem Ramadan mal richtig satt essen. Da gab‘s auch was Süßes. Jetzt muss ich wieder ein Jahr warten.“

Dafür, dass Kinder wie Alima lernen dürfen, dafür kämpft Jörg Pilawa: „Wir müssen den Kindern helfen, zur Schule zu gehen, damit sie einen Ausweg aus dem Steinbruch, diesem Elend, haben!“

Das Elend heißt Pissy. Es stinkt wie die Hölle. Es schmeckt wie die Hölle. Es ist die Hölle. Alima und die anderen Kinder müssen da raus!

Hier hilft
„Ein Herz für Kinder“

Die Idee

1978 rief Verleger Axel Springer "Ein Herz für Kinder" ins Leben. Wie vor mehr als drei Jahrzehnten alles begann...
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