Fast 49 000 Kinder leben bei suchtkranken Eltern

In Thüringen leben nach Schätzungen von Suchtexperten fast 49 000 Kinder und Jugendliche bei Eltern, die suchtkrank sind. Das wäre etwa jeder sechste Minderjährige im Freistaat. Jeder Dritte von ihnen laufe Gefahr, selbst süchtig zu werden, sagte Charlotte Stamm von der Thüringer Fachstelle Suchtprävention. „Aber auch die Kinder, die die Sucht ihrer Eltern scheinbar unbeschadet überstehen, gehören zur Hochrisikogruppe.”

Die mit der Sucht der Eltern verbundenen Probleme für die Kinder frühzeitig zu erkennen und Hilfen anzubieten, sei eine Herausforderung für die Gesellschaft. Am Erfurter Helios-Klinikum beschäftigte sich eine Fachtagung mit dem Thema.

Nach Angaben Stamms machen Kinder alkoholsüchtiger Eltern in Thüringen die größte Gruppe unter den Betroffenen aus. Alkoholsucht sei die am meisten verbreitete Sucht. Das Sozialministerium geht allein von geschätzt 35 000 Alkoholabhängigen im Alter von 18 bis 64 Jahren in Thüringen aus.

Die Bedürfnisse der Kinder fielen in diesen Familien häufig unter den Tisch. Sehr häufig kämpften sie mit schulischen Problemen, fielen durch Verhaltensstörungen und Aggressionen auf, hätten Stigmatisierung auszuhalten. „Kindesvernachlässigung ist allerdings nicht in allen betroffenen Familien ein Problem”, sagte Stamm.

„Es kann schon viel helfen, wenn es anstelle der suchtkranken Eltern eine wichtige Bezugsperson für die Kinder gibt, etwa die Großeltern oder Lehrer”, sagte Stamm, die bei der Thüringer Fachstelle einen Runden Tisch zu Hilfen für betroffene Kinder leitet. Er hat dafür drei Modellprojekte entwickelt, die vom Sozialministerium finanziell gefördert werden. „Es geht darum, dass die Hilfen die Kinder auch dann erreichen, wenn man an die Eltern nicht herankommt.” In der Pflicht sieht die Expertin auch Hebammen und Kinderärzte. „Das sind ja die ersten, die die Kinder und deren Problemlagen sehen.”

Anlass der Tagung in Erfurt war die bundesweite Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien. Bundesweit leben nach Angaben der Interessenvertretung Nacoa rund 2,6 Millionen Minderjährige mit ihren suchtkranken Eltern unter einem Dach.

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