Im Südsudan sind oft die Jüngsten Opfer der Gewalt

Der blutige Konflikt im Südsudan trifft auch Hunderttausende Kinder. Sie werden getötet, vergewaltigt, sind auf der Flucht oder müssen selbst zur Waffe greifen. Ihre Chancen auf ein besseres Leben stehen derzeit nicht zum Besten.

Es sind die einfachen Dinge, die Alier am meisten fehlen. Dinge, über die die meisten Jugendlichen wohl kaum länger nachdenken würden, weil sie ihnen völlig selbstverständlich erscheinen. Doch im Leben des 17-jährigen Alier ist seit fast zwei Jahren kaum noch etwas selbstverständlich. Seit seiner Flucht aus seinem Heimatdorf Baidit, inmitten des Südsudans, befindet er sich wie in einer Art Warteschleife, ohne zu wissen, wie es weitergeht.

Mit einem Cousin lebt er in der Hauptstadt Juba, ohne Geld für die Schule oder für einen Anruf bei den Eltern. „Ich möchte wieder mit ihnen zusammenleben und eine Ausbildung machen”, sagt er. Die Trauer in seiner Stimme ist dabei unüberhörbar. Eines Tages, so sein Traum, würde er gerne als Ingenieur arbeiten.

Aliers Geschichte ist eine von unzähligen, wie sie auch andere Kinder im Südsudan erlebt haben. Zehntausende Menschen haben in dem seit mittlerweile anderthalb Jahre dauernden Machtkampf zwischen Kiir und Machar ihr Leben verloren. Weitere zwei Millionen Menschen – darunter 800 000 Kinder – mussten nach Angaben der Vereinten Nationen fliehen.

Die Ermordung, Vergewaltigung und der Missbrauch von Kindern ist weit verbreitet. Regelmäßig hörten sie von schweren Verstößen, berichtet Laina Henderson von der Organisation Save the Children.

„Jungen, die älter als zwölf Jahre sind, werden von (mit den Streitkräften verbündeten) Milizen getötet, damit sie sich nicht den Rebellen anschließen”, sagt Jonathan Veitch. Er ist der Vertreter des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) im Südsudan. Aber auch jüngere Kinder würden gefesselt und zum Sterben im Busch zurückgelassen. „Die Milizen denken, dass sie damit verhindern, dass sich die Kinder zu späteren Feinden entwickeln”, sagt Veitch.

Erst kürzlich hatte Unicef von der Ermordung von rund 130 Kindern im Bundesstaat Unity berichtet. Kindern wurden die Kehlen durchgeschnitten, manche Opfer wurden in brennende Häuser geworfen. Jungen wurden kastriert und Mädchen im Alter von acht Jahren mehrfach vergewaltigt. Ein weiteres Problem stellen aus Sicht der UN die Kindersoldaten im Land dar. Sie griffen mitunter andere Kinder an. Rund 13 000 Jungen wurden gezwungen, sich den Streitkräften, verbündeten Milizen oder den Rebellen anzuschließen, sagen die Vereinten Nationen. Manche schlössen sich ihnen aber auch freiwillig an, um der Armut zu entkommen.

Die Kinder, die es dennoch eines Tages schaffen, dem Soldatendasein den Rücken zu kehren, wünschen sich kaum etwas sehnlicher, als in die Schule zu gehen, weiß Laina Henderson von Save the Children. Doch für die meisten dürfte das ein Traum bleiben: Die Alphabetisierungsrate in dem armen Land liegt bei gerade einmal 27 Prozent. Und selbst vor dem gegenwärtigen Konflikt schlossen noch nicht einmal zehn Prozent der Kinder die Grundschule ab.

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