So rettet „Ein Herz für Kinder“ die kleine Asiya (12)

Ein Kind, das nach seiner Mama ruft, klingt in jeder Sprache der Welt gleich.

Asiya ist allein, als sie auf die OP vorbereitet wird. Das zwölfjährige Mädchen wurde aus Äthiopien nach Israel gebracht, weil Spezialisten dort ihr junges Leben retten wollen. Asiya leidet an einer gefährlichen Herz-Krankheit. In ihrer Heimat würde sie daran sterben.

„Hada, hada“, wimmert Asiya, als der Anästhesist ihr die Narkose-Maske aufs Gesicht setzt. Sie ist ein fröhliches Kind, das immerzu lächelt – aber der OP-Saal macht ihr Angst und ihre „Hada“, also Mama, ist mehr als 4000 Kilometer weit weg.

Asiyas Mutter musste bei den sieben Geschwistern bleiben, in ihrem Zuhause ohne Strom, zwei Tagesmärsche vom nächsten Krankenhaus entfernt.

Der israelische Verein „Save a Child‘s Heart“ rettet Kinder-Leben aus der ganzen Welt, operiert etwa 250 Patienten aus bis zu 53 Nationen pro Jahr. Die BILD-Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ unterstützt mit Spenden.

„Für uns ist ein Kind ein Kind, egal woher es stammt“, sagt Kardiologe Dr. Assa Sagi.

Der OP-Saal im Wolfson Medical Center in Tel Aviv riecht durch Laser-Skalpelle süßlich nach verbrannter Haut. Aus Lautsprechern plätschert „Yesterday“ von den „Beatles“, Beruhigungs-Musik des Chef-Chirurgen, unterbrochen vom Piepen der vielen Monitore.

So wie sich Kinder-Schreie nach Mama überall auf der Welt gleichen, ähneln sich auch die Kommandos im OP. „Bypass los“ ruft Dr. Lior Sasson und die Kardio-Techniker werfen die Herz-Lungen-Maschine an.

Asiyas Blut wird nun über Schläuche abgeleitet, gefiltert, mit Sauerstoff angereichert und wieder in den Körper geschleust. „Patientin kühlen“ schallt es dann und kalte Flüssigkeit läuft in den Körper des Mädchens, temperiert ihn auf 32 Grad.

Mit dem Kommando „Kardioplegie los“ leiten die Ärzte ein Medikament in Asiyas Adern, das ihr Herz stoppt.

Asisyas lebensgefährliche Situation begann mit einer harmlosen Hals-Entzündung. Weil sie kein Antibiotikum bekam, griffen die Bakterien ihr Herz an. Die Folge: eine defekte Herzklappe und Blut, das in die falsche Richtung fließt, sodass Asiyas Lunge nicht richtig arbeiten kann.

Das Mädchen wurde immer schwächer, schaffte es irgendwann nicht mehr, die Kartoffeln vom Feld ihrer Eltern zu sammeln. Ihr größtes Glück war, dass die israelischen Ärzte sie auf einer Rettungs-Mission in Afrika fanden. Der Hilfsverein bildet Mediziner für Entwicklungsländer aus und holt besonders schwere Fälle zur OP nach Israel.

Die Rettung eines Kinder-Lebens kostet etwa 8000 Euro mit Unterbringung und medizinischer Versorgung. Bei sehr jungen Kindern ist die Mutter meist dabei, die älteren, so wie Asiya, kommen allein.

Die Spezialisten behandeln Kinder aus vielen Ländern, für die Israel das Feindbild schlechthin ist – auch aus den Palästinenser-Gebieten. Als im Sommer Raketen flogen und Sirenen heulten, saßen im Schutzraum des Krankenhauses Kinder aus Israel, dem Gazastreifen, Syrien und dem Irak friedlich zusammen und spielten.

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„Wir verfolgen keine politischen Ziele, aber wir hoffen natürlich, dass die Kinder kleine Botschafter für den Frieden sein können“, sagt Simon Fisher, Chef von „Safe a Child‘s Heart“.

Im OP-Saal legt Dr. Sasson jetzt eine Art Ring um die defekte Klappe im Herzen von Asiya, damit sie wieder richtig schließt. Dann kommt der gefährlichste Moment des Eingriffs: Die Spezialisten erwärmen langsam den Kinderkörper und lassen das Blut aus der Herz-Lungen-Maschine zurück in ihren Kreislauf fließen.

Gebannt schauen alle auf das fragile Organ und die Monitore, hoffend, dass Asiyas Herz wieder zu schlagen beginnt.

Stotternd nimmt es seinen Dienst auf, schlägt nach einigen Minuten regelmäßig. Kardiologe Dr. Sagi kontrolliert per Ultraschall den Blutfluss und lächelt hinter seinem Mundschutz. Asiya wird überleben.

Das Mädchen wird noch einen Monat in Israel bleiben, um per Nachsorge sicher zu stellen, dass das kleine Herz wirklich richtig arbeitet. Erst dann darf Asiya zurück nach Hause – zu ihrer „Hada“, ihrer Mama.

„Ein Herz für Kinder“

BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“
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