Therapie, um zu vergessen

Jeder erinnert sich an die Bilder: Am 1. September 2004 stürmten 30 bewaffnete Männer und Frauen die Schule Nr. 1 in Beslan. Für viele Kinder der Stadt in Nord-Ossetien (Russland) war es der Einschulungstag – sie werden ihn ihr ganzes Leben nicht vergessen.

Die maskierten Geiselnehmer verschanzten sich für drei Tage in der Schule, drohten immer wieder, Menschen zu erschießen. Als die russische Armee das Gebäude stürmt, kommt es zu einem unvorstellbaren Blutbad. Mehr als 300 Geiseln sterben. Darunter viele Kinder. Viele Menschen werden verletzt. Mindestens so schlimm wie die körperlichen sind auch die seelischen Schäden, die seitdem nicht verheilen.

Im Jahr 2005 baute „Ein Herz für Kinder“ ein Therapie- und Rehabilitationszentrum in der Nähe von Beslan. Hier können die traumatisierten Kinder neuen Lebensmut schöpfen. Ihre Therapie: singen, spielen, malen und lesen.
Rund 50 einheimische Lehrer, Krankenschwestern, Erzieher und Geistliche erhielten eine spezielle therapeutische Ausbildung. Sie helfen den Kindern und deren Angehörigen, die furchtbaren Erlebnisse zu verarbeiten und Perspektiven für ihr weiteres Leben zu entwickeln. Dazu gehört auch ein regelmäßiger Schulbesuch. Ein Jahr mussten die Kinder nach dem Geiseldrama auf eine neue Schule warten.

In dem Zentrum, das von „Ein Herz für Kinder“ mitfinanziert wurde, werden jedes Jahr 500 Kinder und Erwachsene therapiert. Sie werden in Gruppen von etwa 20 Personen zusammengefasst. Meist sind es Familien, die an jenem Tag zusammen in dem Gebäude waren oder Klassen der Volksschule.

Das in einem alten Kloster untergebrachte Zentrum wurde bewusst außerhalb der Stadt in einer idyllischen Berglandschaft errichtet. Hier können sich die Kinder in einer sicheren Umgebung bewegen. Und ein wenig von dem vergessen, was sie erleben mussten.

Durch den neu aufgeflammten Kaukasuskonflikt ist das Rehabilitations-Zentrum von Beslan plötzlich auf eine ganz andere Art und Weise zu einer Insel der Rettung für Kinder in Not geworden. Das Zentrum dient derzeit als Flüchtlingslager vor allem für Frauen mit Kindern aus Südossetien. Mehr als 50 Flüchtlinge wurden hier inzwischen aufgenommen. Sie haben nichts zu essen und an Kleidung nur das, was sie am Leib tragen. Die Mitarbeiter des Klosters versorgen die Flüchtlinge, die verzweifelt sind. Zudem werden sie hier medizinisch versorgt.

„Ein Herz für Kinder“

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