EHfK hilft Waisenkindern in Kenia

Fidel (11) lebt mit seinem Bruder Ronny (15) in einer Wellblechhütte im kleinen Dorf Koliech in Westkenia. Es ist ein karges Zimmer mit einem Bett ohne Matratze. Fidels Mutter ist gestorben, sein Vater liegt schwer krank in einer Klinik.

Die Kinder sind auf sich gestellt – und damit nicht die einzigen. Viele Kinder leben hier als Voll- oder Halbwaisen. Um zu überleben, sammeln Fidel und Ronny Feuerholz und verkaufen es. Fidel zu BILD: „Es ist schwer, ohne Eltern zu leben. Wir brauchen jemanden.“

An der „St. Michael Preparatory & Orphanage“-Schule haben Fidel und rund 180 weitere Kinder endlich jemanden gefunden, der für die Kleinen da ist. Die BILD-Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ hat das Projekt unterstützt, das für die Kinder viel mehr als nur eine Schule ist.

Ruzila (12) wohnt ganz in der Nähe von Fidel. Auch ihre Mutter verkauft Feuerholz. An guten Tagen bekommt sie dafür umgerechnet 50 bis 80 Cent. Das reicht für eine Mahlzeit.

Ruzilas Vater ging vor drei Jahren zum nahegelegenen See und kehrte nie mehr zurück. Ob er ertrunken ist oder einfach abgehauen – die 12-Jährige weiß es nicht. „Ich warte jeden Tag auf ihn“, sagt sie und wischt sich die Tränen weg.

Eines Tages möchte Ruzila Krankenschwester werden. Dank des Unterrichts an der „St. Michael Preparatory & Orphanage“ muss ihr Berufswunsch, kein Wunsch bleiben.

Viele Kinder in Kenia haben als einzigen Zufluchtsort die „St. Michael“-Schule Foto: Michael Hübner

Genauso wie Kinder in Deutschland sitzen Ruzila und Fidel um 10 Uhr im Klassenraum: Biologie steht auf dem Stundenplan der fünften Klasse an der „St. Michael Preparatory & Orphanage“.

Die Schule wird von Franziskanerinnen geführt. Zum Schulalltag gehören für die Kinder auch zwei warme Mahlzeiten am Tag, sauberes Trinkwasser – und natürlich Bildung, die ihnen hoffentlich irgendwann ein anderes Leben ermöglicht.

Die Kinder kommen gerne zur Schule – es ist ein Zufluchtsort. Die BILD-Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ hat die Einrichtung u.a. mit Klassenräumen und Lernmaterialien unterstützt.

Mittags gibt es Reis mit Bohnen, für viele Kinder die einzig richtige Mahlzeit am Tag Foto: Michael Hübner

Sarah (12) ist bereits zwei Klassen über Fidel. Eines Tages will sie Journalistin werden. „Schule ist wichtig“, sagt sie. In der St.-Michael-Schule ist die Gebühr so gering, dass auch arme Familien das Geld irgendwie aufbringen können. Wer es besonders schwer hat, muss gar nichts bezahlen.

In der Mittagspause gibt es für alle Kinder Reis mit Bohnen. Drei Ordensschwestern bereiten das Essen vor, während die Kinder eine Runde Fußball spielen. Fidel erklärt: „Mein Hobby ist Fußball, weil es gutes Training ist. Wenn du spielst, fühlst du dich in deinem Körper wohl.“

Sich wohlfühlen – das fällt den Kindern auf dem Gelände der Schule leicht. Hier können sie für ein paar Stunden ihre Sorgen vergessen und auf eine Zukunft hinarbeiten. „Die Schule ist sehr wichtig für die Waisen und schutzbedürftigen Kinder in dieser Region“, sagt Schuldirektor George Owidi (67).

Er leitet diese Schule seit 13 Jahren. „Es gab die HIV-Pandemie in den 90ern. Viele Kinder wurden Waisen. Die Frauengruppe wollte diesen Kindern helfen. Die nächste öffentliche Schule war drei Kilometer entfernt, die andere sogar fünf.

Dank der Schule kann Fidel (11) Englisch sprechen Foto: Michael Hübner

Nach dem Unterricht geht es für Sarah zu Fuß über Felder und staubige Straßen nach Hause. Ihre Mutter und ihre fünf Geschwister leben in einer kleinen Hütte, der Fußboden ist eine Masse aus getrocknetem Schlamm.

An der Wand stehen fünfzehn große Trinkwasserbehälter. Einmal in der Woche müssen Sarah und ihre Mutter diese Fässer in der drei Kilometer entfernten Quelle auffüllen und anschließend zurück in ihre Hütte schleppen.

Auch Fidel ist von der Schule nach Hause gekommen. Zum Abendbrot gibt es für ihn und seinen Bruder getrockneten, alten Mais.

Während über Kenia langsam die Sonne untergeht, grasen nicht weit von Fidels Hütte ein paar Zebras. Es ist ein traumhafter Anblick für Touristen – und ein hartes Leben für die Kinder, die hier zurechtkommen müssen.

„Ein Herz für Kinder“

BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“
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