Hilfe für die Opfer der Balkan-Flut

Allmählich wird das Ausmaß der Flutkatastrophe auf dem Balkan deutlich. Tierkadaver liegen im Schlamm der Flüsse. Tausende Häuser sind unbewohnbar. Das Hochwasser hat Minen aus markierten Minenfeldern weggerissen – Explosionsgefahr!

Nach dem verheerenden Hochwasser auf dem Balkan wächst die Seuchengefahr. Tausende Tierkadaver liegen im Schlamm der Flüsse. In vielen Orten mangelt es an Trinkwasser. Die Flutkatastrophe gilt als die schwerste in der Region seit Beginn der Aufzeichnungen. Mindestens 53 Menschen kamen ums Leben, wie die Behörden von Serbien, Bosnien-Herzegowina und Kroatien mitteilten. Heftiger Regen hatte die Überschwemmungen verursacht. Die internationale Hilfe wird weiter verstärkt.

Für die überfluteten Gebiete in Kroatien hat Gesundheitsminister Rajko Ostojic eine Epidemienwarnung herausgegeben. Auch in den Flutgebieten der anderen Länder galt weiter ein hohes Seuchenrisiko. Nach Angaben des Belgrader Epidemiologen Veljko Djerkovic werde die Desinfizierung der Häuser und Straßen mindestens zwei Monate in Anspruch nehmen. Erst dann könnten die Einwohner sicher zurückkehren.

Trotz sinkender Pegelstände waren die Einsatzkräfte in Bosnien, Serbien und Kroatien weiter damit beschäftigt, Flussufer zu befestigen. Gefährlich hoch war der Wasserstand unter anderem noch auf der Save, dem größten Fluss in Slowenien und Kroatien, der bei der serbischen Hauptstadt Belgrad in die Donau fließt.
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Der Fokus richtet sich nun auf die Beseitigung der Schlammmassen sowie der Tierkadaver. Berichten zufolge kamen in der bosnischen Stadt Bijeljina mit dem Rückzug des Wassers Tausende Kadaver an die Oberfläche. Zudem müssen die betroffenen Gebiete möglichst schnell wieder mit Trinkwasser versorgt werden. Rund ein in Viertel der Fläche Bosnien-Herzegowinas stand unter Wasser!

Papst Franziskus forderte Hilfe und Solidarität der internationalen Gemeinschaft für die Balkanländer. Weil sich die Lage verschlimmert habe, sollte es den Menschen in Serbien und Bosnien-Herzegowina nicht an Unterstützung fehlen, sagte der Papst bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz.

Nach Angaben von EU-Regionalkommissar Johannes Hahn beteiligen sich bereits 19 der 28 EU-Länder an der Nothilfe für Serbien. Auch über mehr Hilfen für Bosnien wird nachgedacht.

DEMIRA e.V. ist seit dem Jahr 2000 in Bosnien und Herzegowina mit einer Basis mit Fahrzeugen, Ambulanzen, Mitarbeitern und Minenspürhunden im Land aktiv. Während der gegenwärtigen Flut leistet DEMIRA mit Unterstützung von „Ein Herz für Kinder“ umfassende humanitäre Hilfe. Gefährdete Personen – vor allem Kinder – werden evakuiert und medizinisch versorgt. Zudem hilft DEMIRA bei der Beseitigung von Flutschäden mit Baggern und Reinigung von Häusern.

Auch die Nato, die stark in der früheren Bürgerkriegsregion aktiv ist, kündigte Hilfe beim Wiederaufbau an. „Viele Verbündete und Partner senden Helikopter, Nothilfeteams, Boote, Trinkwasser, Essen, Notunterkünfte und Geld”, erklärte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen in Sarajevo. „Wir sind bereit, auf jede Art zu helfen.”

Deutschland stockte derweil seine Soforthilfe für die Opfer der Überschwemmungskatastrophe auf dem Balkan auf. Das Auswärtige Amt stellte weitere 650 000 Euro bereit. Damit beträgt die deutsche Hilfe nunmehr eine Million Euro.

Neben der Seuchengefahr lauert auch unter der Erde eine Bedrohung für die Opfer des Hochwassers: Experten warnen, die Minen aus dem Krieg könnten über die in die Save mündenden bosnischen Flüsse bis zur Donau und ins Schwarze Meer gespült werden. Vor dem Hochwasserwaren noch 120 000 Minen in markierten Minenfeldern vergraben.

Sasa Obradovic, Sprecher des Bosnischen Minenzentrums: „Minen sind jetzt in Gegenden aufgetaucht, wo nie welche gewesen sind.“

Die Minen aus Bosnien werden nun auch zum Problem für die Nachbarländer: Bosnische Flüsse münden in die Save, die entlang der kroatischen Grenze nach Serbien fließt und dort in die Donau mündet, die weiter durch Bulgarien und Rumänien zum Schwarzen Meer fließt.

Experten zufolge könnten Minen aus Bosnien so durch halb Südosteuropa gelangen und die Turbinen eines Wasserkraftwerks gefährden. „Wir werden mit Kroatien und Serbien zusammenarbeiten, um das Problem zu lösen“, sagte Obradovic.

„Was uns jetzt geschieht, passiert nicht einmal in hundert, sondern einmal in tausend Jahren“, sagte der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vucic im serbischen TV.

 

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