Ambulanzflug rettet Mädchen (2)

Dunkle Regenwolken hängen tief über Haiti und machen klar, dass die Regenzeit unmittelbar bevorsteht. Das Team des Haiti-Heli befindet sich in Port-au-Prince. Die schlechten Wetterverhältnisse hatten den straffen Einsatzplan bei der Versorgung einiger Bergdörfer immer wieder bis zum Sonnenuntergang verschoben.

Dennoch ist es gelungen wieder fast 3 Tonnen Hilfsgüter und zahlreiche Helfer in die Berge zu fliegen. Aber das Überfliegen der bis zu 2000 Meter hohen Berge durch die Regenfront zurück zum Basisstützpunkt in Higuero wäre zu riskant gewesen.

Der erste Einsatz des Tages birgt ebenso Gefahren, denn Ziel ist der kleine Ort Milot in den nordöstlichen Bergen Haitis. Die Wolken hängen tief und die amerikanischen Marine hat den Ambulanzflug für ein 2-jähriges Mädchen in Port-au-Prince daher abgelehnt. Das Mädchen leidet unter einem Wasserkopf. In Port-au-Prince mangelt es an freier OP-Kapazität und aufgrund fehlender Spezialisten hat das Kind hier kaum Überlebenschancen. Der nächste bekannte Kinderneurochirurg ist in Milot stationiert. Allerdings ist der Transport auf dem Landweg durch den Regen ungewiss und würde mindestens einen ganzen Tag in Anspruch nehmen. Nur eine schnelle Behandlung kann das Mädchen retten. Daher stimmte das Team der Heli Aviation dem Transport zu.

Zwei behandelnde Ärzte und die Eltern des Mädchens begleiten den Ambulanzflug. Der Flug dauert länger als erwartet, denn die Gebirge müssen umflogen werden. Nach 50 Minuten nehmen die Ärzte in Milot das kleine Mädchen in Empfang, das bereits kurz darauf operiert wird. Die Helfer vor Ort bemängeln, dass viel mehr Hubschraubertransporte erforderlich sind. Den Rest des Tages versorgt der Haiti-Heli die Klinik Saint Damien mit Hilfsgütern und fliegt neue Hilfskräfte an ihre Einsatzorte.

Allein diese Woche konnten über 10 Tonnen Hilfsgütern und zahlreiche Hilfskräfte aus den Lagern in abgelegene Regionen geflogen werden. Unter anderem auch zum Waisenhaus auf der Insel Île à Vache. Von den rund 15 000 Bewohnern der Inseln sind weit über die Hälfte Kinder, über 40 Prozent sind unter 15 Jahren. Das Leid ist hier seit dem Beben besonders groß, da sich die Versorgung äußerst schwierig gestaltet. Daher wurde der Außenlastsack mit Lebensmitteln, Babynahrung und einigen Hygienepaketen voll beladen. Über die 1600 Meter hohen Berge erreichte der Haiti-Heli innerhalb von 41 Minuten die einstige Pirateninsel im karibischen Meer. Viele Helfer luden dankbar die Hilfsgüter am Waisenhaus aus. Doch die Kinder benötigen mehr. Daher werden für die kommenden Tage weitere Transportflüge geplant.

Der Nationaldirektor Pater Richard Frechette der Hilfsorganisation „Unsere kleinen Brüder und Schwester“ äußert Bedenken, dass sich nach seinen Beobachtungen die humanitäre Hilfe bisher zu sehr auf Port-au-Prince beschränkt. Daher ist es jetzt besonders wichtig, die abgeschiedenen Gebiete rechtzeitig mit Vorräten zu versorgen. Mit den einsetzenden Regenfällen entfällt die Versorgung über die Landwege größtenteils. So versucht die Mannschaft des Haiti-Heli Schlechtwetterrouten zu erkunden, die eine sichere Navigation und weitere Versorgung zu ermöglichen.

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