„Wir könnten noch 10 Hubschrauber gebrauchen“

Gut zwei Monate nach dem verheerenden Erdbeben ist die Situation auf Haiti immer noch dramatisch. Die amerikanischen Soldaten, wie auch viele andere zivile Hilfsorganisationen, ziehen sich aus Haiti zurück, die verbleibenden Kräfte konzentrieren sich auf den Aufbau von Zelten und der Versorgung der Bevölkerung. „Die U.S.S. Comfort“ ist abgezogen, somit ist auch die letzte gut ausgestattete Klinik nicht mehr verfügbar.

Wie gut, dass immer noch der „Ein Herz für Kinder“-Helikopter im Einsatz ist, um den Not leidenden Menschen vor Ort zu helfen. Lesen Sie hier Auszüge aus den Tagesberichten des Helikopterteams:

11. Februar 2010

„Was wir vorfinden ist eine zu 90 Prozent völlig zerstörte Stadt, und ein Maß an Armut wie man es sich nicht vorstellen kann. Auf dem Landeplatz St. Damiens wurde Personal vom Kinderhilfswerk aufgenommen und zum Airport in Jacmel geflogen. Dort werden sie ein Assessment starten, um ihre Arbeit effektiver in den nächsten Wochen gestalten zu können. Jetzt geht es weiter zu einem von der UN abgesicherten Landeplatz in Petit Guave, um Netze mit Kochutensilien und Zelte für die Menschen in der Bergregion von Dufour aufzunehmen. Uns erwartet ein völlig von der Außenwelt abgeschnittenes Örtchen mit etwa 300 Einwohnern. Viele davon sind Kinder. Es ist ein unglaubliches Gefühl, mit diesem Fluggerät und mit unserer Arbeit so viele Kinderaugen zum Strahlen zu bringen.“

• 12. Februar 2010

„Zurück in Port-au-Prince nahmen wir im Spital St. Damiens für die Organisation „Lands Aid“ eine Lieferung für den äußersten Westen der Insel als Außenlast auf. Transportiert wurden Nahrung und Spielsachen für die Kinder. “

13. Februar 2010

„Auch heute wurden wieder Mitarbeiter von Hilfsorganisationen ausgeflogen, die nach mehreren Wochen Ihren Einsatz in Haiti erfolgreich beenden konnten. In St. Damiens wurden zwei Personen von „Unsere kleinen Brüder und Schwestern“ und „ADRA –
Deutschland hilft“ aufgenommen. Bei dem Weiterflug nach Saintard konnte dort der amerikanische Arzt Dr. Fulton zusätzlich aufgenommen werden. Dr. Fulton wurde mehrmals von uns zu Versorgungsaktionen ins Hinterland geflogen. Seine Versorgungen wären nicht ohne den Luftweg möglich gewesen.“

• 14. Februar 2010

„Um 10 Uhr morgens war es für den Haiti-Heli wieder soweit, er startete in Richtung Haiti. Auf dem Weg dorthin nahmen wir einen medizinischen Mitarbeiter der Organisation „Ärzte der Welt“ mit. Nachdem wir den Arzt in der St. Damiens Klinik abgesetzt haben, flogen wir zum Lebensmittellager der „ADRA Deutschland hilft“ in den westlichen Teil von Port au Prince. Unser Haiti-Heli wurde speziell für den Frachttransport umgerüstet, um so viel Stauraum für Reis, Babynahrung und Hygienepacks zu schaffen. Viele helfende Hände luden in wenigen Minuten in den Haiti-Heli rund 450 Kilo Reis, 80 Kilo Babynahrung und 15 Hygienepakete ein. Danach ging es dann über die 1600 Meter hohe Berge auf die Südwestseite Haitis auf die Insel Ile a Vache. Auf der Insel leben ungefähr 12 000 Menschen. Gut 80 Prozent davon sind Kinder. Als der Haiti-Heli nach guten 41 Minuten Flugzeit das Ziel erreichte, wurde er schon sehnsüchtig von den Kindern erwartet. Auf dem Landweg würde der Transport der dringend erforderlichen Nahrungsmittel mehrere Tage brauchen. Da hier das Leid noch besonders groß ist und dringend weitere Mengen an Lebensmittel für die Kinder benötigt werden, hat sich das Team vom Haiti-Heli entschlossen, per Außenlast am nächsten Tag nochmals rund 1,4 Tonen an Lebensmittel zu liefern. Die Piloten Jochen Huber und Ralf Göttlinger: „Aufgrund der kommenden Regenzeit wird es von Tag zu Tag für uns immer schwieriger auf Haiti zu fliegen, da die tiefe Wolkendecke ein Überfliegen der Berge erschwert. Wir bereiten uns aber darauf vor und fertigen uns jetzt schon Luftfahrtkarten mit selbst erkundeten Schlechtwetterrouten an, die uns auch bei schlechten Sicht- und Wetterverhältnisse ein sicheres Navigieren ermöglichen. Wir wollen die noch vollen Lebensmittellager auf jeden Fall in den nächsten Tagen mehrmals anfliegen und die Menschen draußen auf den abgeschlossenen Regionen versorgen. Die Menschen sind sehr dankbar und mit den kleinsten Geschenken glücklich.“

15. Februar 2010

„Nachdem unsere Lastennetze und Big-Bags mit Lebensmitteln (Reis, Bohnen, Öl, Zucker, Babynahrung) und Hygieneartikeln gepackt wurden, starteten wir unsere Außenlast-Versorgungsflüge. Insgesamt fast 3 Tonnen Material konnten so, in zum Teil über 50 Kilometer entfernte und auf dem Landweg nur zu Fuß erreichbare Ortschaften geflogen werden. Besondere Freude herrschte im Krankenhaus Sanitard über unsere unangekündigten Hilfslieferungen, die dort dringend benötigt wurden. Die Kinder bereiteten uns einen fröhlichen Empfang. Auch wenn wir oft gerne länger an unseren Einsatzorten verweilen würden, der straffe Zeitplan lässt uns dafür nur wenig Zeit. Unser Ziel ist es, vor Beginn der Regenzeit noch möglichst viele der Bergdörfer zu versorgen.“

• 16. Februar 2010

„Am „ADRA“-Lager haben uns die Mitarbeiter schon erwartet und einige Lebensmittel und Hygieneartikel bereitgestellt. Als erstes fliegen wir mit 620 Kilo Außenlast ( Reis und Zucker ) zur Kinderklinik und Waisenhaus in Saintard. Die Kinder hier sind sehr zugänglich und freuen sich immer riesig über den Besuch des Hubschraubers und dessen Team. Ohne German Help 1 wäre die Versorgung der Kinderklinik und des Waisenhauses nicht mehr gesichert, denn viele kommen aus den Bergen herab und suchen Hilfe bei der Klinik, weil sie nichts zu essen haben.“

• 17. Februar 2010

„In Port-au-Prince haben wir eine Außenlast von 580 Kilo mit Reis, Öl, Zucker und Bohnen zu dem Dorf Pignon von Pater Voma geflogen. Das Dorf liegt im Norden von Haiti. Dort haben die Menschen aufgrund der Zuwanderer aus Port-au-Prince zu wenig zu essen. Dann ging es zurück ins Lager der „ADRA“ um einen technischen Mitarbeiter mit Wasseraufbereitungsanlage und 420 Kilo Nahrungsmittel aufzunehmen und ebenfalls in das Bergdorf hoch zu fliegen Am Abend wurden wir am Airport angesprochen, ob wir nicht einen ganz dringend notwendigen Krankentransport eines 2-jährigen Kindes mit Hydrocephalus machen könnten. Diesen nahmen wir für nächsten Tag mit dem ersten Tageslicht an. Ohne den Helitransport in die Klinik nach Milot (Autofahrt 6-8 Stunden) hätte das Kind nur sehr schlechte Überlebenschancen gehabt.“

• 18. Februar 2010

„Mit dem ersten Tageslicht fuhren wir zum Flughafen Port-au-Prince um den Krankentransport des 2-jährigen Kindes in die in Klinik nach Milot durchzuführen. Es flogen dabei die zwei behandelnden Ärzte sowie die Eltern mit. Der Flug wurde zuvor von der Marine der US-Army wegen schlechten Wetters im Zielgebiet abgelehnt. Der Flug von German Help 1 dauerte etwa 50 Minuten. Das Kind musste unbedingt in die Klinik, weil es in Port-au-Prince keine OP-Kapazität und einen Kinderneurochirurgen gab. In Milot wurde das Kind noch am gleichen Tag operiert.“

• 19. Februar 2010

„Wir machten uns den Weg zum Hospital University of Miami am Flughafen Port-au-Prince. Das dortige Hospital wurde innerhalb von nur 5 Tagen von den US-Amerikanern aufgestellt und hat eine Bettenkapazität von 400 Betten. In dem Hospital ist eine eigene Kinderklinik integriert. Wir nahmen einen jungen Mann mit Oberschenkelfraktur und einen 2-jährigen Jungen mit einer Hüftverletzung auf und brachten sie nach Milot. Die Autofahrt über Schotterstraßen hätte 6-7 Stunden gedauert. Wir flogen die beiden Patienten mit unserem Hubschrauber schonend und in nur 32 Flugminuten in die Klinik.“

• 21.Februar 2010

„Heute sind wir mit 4 Helfern aus Frankreich von Higuero nach St. Damiens geflogen. Von dort aus gingen 3 Mitarbeiter mit zurück nach Higuero.“

• 22. Februar 2010

„Am Morgen ging es mit 4 Passagieren von Higuero nach St. Damiens. Dort bekamen wir 2 Patienten, die nach Port de Paix gebracht wurden. Von dort aus ging es direkt zum Krankenhaus nach Milot um dort 3 Ärzte aufzunehmen. Die Ärzte wollen in den nächsten
Tagen 80 Patienten übernehmen, die nach dem Beben nur notdürftig versorgt werden konnten. Frakturen müssen operiert werden und das kann nur in Milo gemacht werden. Die Verlegung der Patienten, die schlimme Schmerzen durch die Knochenbrüche haben, würde mit dem Auto zwischen 8 und 10 Stunden dauern. German Help 1 ist der Retter und kann die Patienten in nur 32 Minuten vom Hospital Port-au-Prince nach Milot verlegen und das schmerzfrei ganz ruhig in der Luft.“

• 23. Februar 2010

„Im Miami Hospital am Flughafen Port-au-Prince konnten wir Patienten übernehmen, die wir gestern zusammen mit unserem Ärzteteam aus Milot gesichtet haben. Mit 2 Flügen konnten wir 3 Patienten transportieren und die so die dringend benötigte chirurgische Versorgung ermöglichen. Auf dem Rückflug konnten wir 2 weitere Patienten die bereits versorgt und entlassen wurden mit zurück nach Port-au-Prince nehmen, um im Krankenhaus Milot Platz für neue Patienten zu schaffen.“

• 24. Februar 2010

„Geplant waren ein bis zwei Ambulanzflüge und danach Außenlasttransporte vom „ADRA“-Lager zum Bergdorf und zur Kinderklinik Saintard. Nach 35 Minuten landeten wir mit den beiden Patienten in der Klinik Milot. Dort hat uns gleich der deutsche Arzt Dr. Andreas Kamlot empfangen. Dr. Kamlot erzählte uns, dass wir mittlerweile zum wichtigsten Bestandteil der Klinik geworden sind. Mit unserer Hilfe wurde Milot zum Zentralklinikum Haitis.“

• 26. Februar 2010

„Wir brachten Passagiere und Medikamente nach St.Damiens. Dort wurde eine Patientin mit beidseitiger Fraktur aufgenommen und ins Miami Hospital geflogen. Ab heute sollen in Milot Rückenfrakturen operiert werden. Milot ist das einzige Krankenhaus für solche Eingriffe in Haiti! Die Ärzte erzählen, das eine neue Welle von Nachoperationen (Amputationen usw.) beginnt.“

• 27. Februar 2010

„Mit Passagieren und Medikamenten flogen wir direkt nach Petit Goave, nahmen Mitarbeiter von „Humedica“ auf und brachten sie in das Dorf Maibell. Ein Architekt machte eine Bestandsaufnahme, um das Projekt „Neubau Schule und Essensküche“ voranzubringen. Von Maibell flogen wir nach Jacmel, um dort 3 Mütter mit Neugeborenen (jüngstes Baby 2 Tage) aufzunehmen, die wir nach Pot-au-Prince flogen. Dort übernahmen wir zwei Patienten mit Rückenfrakturen. Beide waren stabil, aber in schlechter Verfassung – mit Tropf, Drainagen und Pumpen für Medikamente sah der Heli aus wie ein OP.“

• 28. Februar 2010

„Heute konnten wieder mehrere Patienten transportiert werden. Alle sagen, wir funktionieren wie ein Uhrwerk. Immer und immer wieder Danke von allen Helfern an “Ein Herz für Kinder“. Wie probieren morgen den ersten instabilen Rückenverletzten (7/8 Wirbel gebrochen) zu transportieren. Morgen wird ein langer Tag…“

• 01. März 2010

„In der Nähe von Port-au-Prince wartete bereits die Patientin Stephanie (23) auf uns. Sie hat die Rückenwirbel 11und 12 gebrochen. Dies war unser erster Transport mit einer nicht stabilisierten Patientin. Einladen war eine Herausforderung, da sie ihren Oberkörper weder drehen noch bewegen durfte. Der Flug ging wieder ins Hospital Milot, in welchem sie operiert wird. Während des Fluges hat sie meist geschlafen, wenn sie sich nicht gerade übergeben hat… Dann Aufnahme von Franklin Louis (18). Wir mussten mehrmals schlucken, als wir ihn gesehen haben! Er hat den ganzen Körper voller Krebs, kann nur in einer Position gekrümmt liegen und wurde von uns zum Sterben nach Hause gebracht. Einladen war nur mit einer zusätzlichen Dosis Valium, welche ihm verabreicht wurde, möglich. Vor dem Abflug wurde vom Milot‐Personal noch im Hubschrauber mit Louis gebetet…Helfen ist manchmal gar nicht so einfach…“

• 02. März 2010

„Wir bringen Hilfsgüter in ein Bergdorf. Danach Rückflug zum „ADRA“-Lager und Aufnahme von Lebensmitteln für Savanette (Dorf im Norden mit 300 Flüchtlingen). Dann Weiterflug nach Milot. Dort Aufnahme von Patient mit Beinfraktur und Trauma. Wir bringen ihn in die Miami Klinik nach Port-au-Prince. Wieder zurück zum „ADRA“‐Lager. Hier laden wir Hilfsgütern für das SOS Kinderdorf ein, hunderte Kinder begrüßen uns freudig. Das SOS-Kinderdorf versorgt mittlerweile täglich 14 000 Kinder. Weitere Flüge müssen dringend durchgeführt werden. Wir könnten noch 10 Hubschrauber gebrauchen! Manchmal wissen wir nicht wo wir anfangen sollen.“

„Ein Herz für Kinder“

BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“
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