Bitte helft diesen Kindern!

Dadaab (Kenia) – Als sie nicht mehr konnte vor Hunger, da aß Hawa Schlamm. Einen Monat lang war sie mit ihrer Mutter und den drei Geschwistern unterwegs, Tag und Nacht, vom Hunger getrieben machten sie kaum Pausen, zu groß war die Angst vor Hyänen und Banditen, die in Somalia auf Beute lauern. Bald schon wurde Hawa schwächer, sie hustete, erbrach sich. Die letzte Woche ihres Weges musste die Mutter ihre Tochter tragen.

Video: Horn von Afrika Somalia Hunger

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Wir finden Hawa auf einer Pritsche im Hospital von Dadaab. Sie ist zwei Jahre alt und vier Kilo leicht, nur wenig schwerer als bei ihrer Geburt. Wie Papier spannt die Haut über Hawas dünnen Knochen, ihr Weinen ist kraftlos und leise, als komme es von ganz weit weg, als entferne sich Hawa vom Leben. Neben dem Kind sitzt seine Mutter und betet, dass die Strapazen der Flucht nicht vergebens waren.

Bitte, denke ich, als ich an Hawas Pritsche stehe, bitte hilf doch jemand diesem Kind. Und all den anderen, die hier noch liegen, die draußen durch den Staub stolpern, die Gesichter eingefallen, die Bäuche gebläht von Hunger und Durst.

Wir sind in Dadaab, dem größten Flüchtlingslager der Welt, dem Epizentrum der Hungersnot von Ostafrika. Wir sehen die schlimmste menschliche Katastrophe unserer Zeit. 12 Millionen Menschen hungern, Hunderttausende sind auf der Flucht. In den letzten sieben Wochen sind allein in Dadaab 60 000 Somalis angekommen, geflohen aus ihrer von 20 Jahren Krieg verwüsteten, von Trockenheit verdörrten Heimat. Sie kamen zu Fuß, mit nichts als Lumpen an ihrem Leib. Exodus Somalia 2011: Für diese Flüchtlinge ist Dadaab das gelobte Land.

Video: Hungersnot in Ostafrika

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Das gelobte Land sieht so aus: Es ist heiß, es ist trocken. In langen Reihen sitzen Frauen in der sengenden Sonne, warten darauf, registriert zu werden.

Bis zu 2000 neue Flüchtlinge drängen sich jeden Tag vor der Aufnahme des Lagers, warten auf Kleidung, Wasser, ein wenig Hirse und Mehl. Sie bekommen ein Armband, mit dem sie täglich Essen holen dürfen, und eine Plane, unter der sie wohnen können. Denn das gelobte Land ist voll. 380 000 Menschen hausen in den Lagern, die für 90 000 Flüchtlinge gebaut wurden. Wer neu kommt, muss seinen Verschlag vor den Toren des Lagers in die Wüste stellen.

Dort treffen wir den Bauern Farah (29), der mit Mutter, Frau und drei Kindern in einer Hütte aus Zweigen und Karton lebt. „Es ist besser als Somalia“, sagt Farah, „hier ist kein Krieg.“ Trotzdem habe er Angst um seine Kinder. Morgens fände er immer wieder Abdrücke von Hyänen-Pfoten vor der Hütte.

Video: Horn von Afrika Somalia Hunger

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Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR würde die Lager gern erweitern. Doch die Verhandlungen mit der kenianischen Regierung sind zäh. Die Helfer tun, was sie können, doch dem Ansturm der Flüchtlinge sind sie nicht gewachsen: Zu viele Menschen, viel zu wenig Platz. „Wir hätten allein Bedarf für 88 Grundschulen“, so Bettina Schulte vom UNHCR, „aber es gibt keinen Ort, wo wir sie hinstellen könnten.“

Zurück im Hospital. Eine fette Fliege krabbelt über Hawas Gesicht. Das Mädchen reagiert nicht. „Sie sollte mindestens das Doppelte wiegen“, sagt Pfleger Olome Ephraim. Hawa bekommt Aufbaunahrung und Milch, alle drei Stunden ein bisschen, sie soll langsam zu Kräften kommen.

Ich frage den Pfleger: „Glaubst du, dass sie es schafft?“

Olome blickt zu Boden. „Das weiß ich nicht.“

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