Mini-OP schenkt tauben Kindern ein neues Leben

„Ich wusste, dass ich in ein schwer traumatisiertes Land komme. Aber so etwas … Die Fotos der vielen ermordeten Kinder. Die Bilder riechen förmlich nach Tod.“

TV-Star Christine Neubauer (53) ist geschockt. Sie steht in Ruandas Hauptstadt Kigali vor dem Genocide Memorial – und ringt um Worte. Was soll man sagen, wenn die Augen sehen, was der Kopf nicht begreifen kann? Den Völkermord der Hutus an rund einer Million Tutsi – binnen drei Monaten!

VIDEO: Dr. Heinrich operiert kranke Kinder

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21 Jahre ist das her, und in der Millionenstadt Kigali putzen und wienern sie an allen Ecken, als wollten sie heute noch das Blut der hingemetzelten Kinder, Frauen und Männer beseitigen.

Sauber will das Land sein, trotz aller Armut.

Was Armut konkret bedeutet, sieht Christine Neubauer mit dem „Ein Herz für Kinder“-Team in einem kleinen Sprechzimmer, in dem Dr. Dirk Heinrich (56) für einige Wochen ehrenamtlich arbeitet.

Christine Neubauer begrüßt Kinder in einem Armenviertel außerhalb der Hauptstadt Kigali (Foto: Peter Müller)
Christine Neubauer begrüßt Kinder in einem Armenviertel außerhalb der Hauptstadt Kigali (Foto: Peter Müller)

Der Hamburger Hals-, Nasen-, Ohren-Spezialist ist ein Geschenk des Himmels für das ostafrikanische Land: Auf zwölf Millionen Einwohner kommen nämlich nur fünf HNO-Ärzte! Deshalb bleiben viele eher harmlose Krankheiten, zum Beispiel eine Mittelohrentzündung, unbehandelt – und werden dann, gerade für Kinder, zu einer oft tödlichen Bedrohung.

Zum Beispiel für Fine (4). Die Kleine ist fast taub. Ihr Vater Felicien (39), Mathe-Lehrer an der Dorfschule irgendwo in Ruanda, hat von dem Arzt aus Deutschland gehört. Er weiß: Nur eine OP kann seiner Tochter helfen.

Ein taubes Kind ist im tiefsten Afrika ein totes Kind.

„Heute ist der Tag, an dem sich ihr Leben ändert, wir schenken Fine eine Zukunft“, sagt Dr. Heinrich, der seit 2009 jedes Jahr nach Ruanda kommt, dem Vater. Die Kleine wird in den OP geschoben. Fine ist tapfer, weint nicht.

Kleiner Eingriff, große Wirkung: Fine (4) bekommt von HNO-Arzt Dr. Heinrich Röhrchen ins Ohr gesetzt (Foto: Peter Müller)
Kleiner Eingriff, große Wirkung: Fine (4) bekommt von HNO-Arzt Dr. Heinrich Röhrchen ins Ohr gesetzt (Foto: Peter Müller)

Schon am nächsten Tag sitzt Fine im Praxiszimmer auf dem Schoß von Christine Neubauer. Und strahlt! Fine hört zum ersten Mal in ihrem Leben eine Stimmgabel. Dr. Heinrich ist zufrieden. Er hat Fine Röhrchen ins Ohr gesetzt, eine Routine-OP in Deutschland. 50 Euro hat sie gekostet. Und ein Kinderleben gerettet.

„Als ich zum ersten Mal hier war, habe ich in einer Woche alle Krankheiten gesehen, die ich bis dahin nur aus Lehrbüchern kannte“, sagt Dr. Heinrich, der in Kigali vor allem einheimische Mediziner als HNO-Spezialisten ausbildet. Hilfe zur Selbsthilfe.

Fast 40 Operationen bringt der Arzt Woche für Woche hinter sich, auch schwere Eingriffe wie bei dem kleinen Evode (2). Der Junge hat einen gewaltigen Tumor am Hals. Gutartig zwar, aber er drückt dem Kind jetzt die Atemwege ab. Dr. Heinrich entfernt die 1,5 Kilo schwere Geschwulst in einer fünfstündigen Operation.

Evode (2) drohte an seinem Tumor am Hals zu ersticken (Foto: Peter Müller)
Evode (2) drohte an seinem Tumor am Hals zu ersticken (Foto: Peter Müller)

Jetzt liegt Evode auf der Intensivstation. Christine Neubauer ist bei ihm, verabschiedet sich. Der Junge ist noch schwach, aber er wird leben. Die Schauspielerin: „Ich habe selten so leuchtende Kinderaugen gesehen.“ Vor ihrer Abreise schaut sie noch in jedem Zimmer vorbei, verteilt Kuscheltiere, die sie aus Deutschland mitgebracht hat – zwei Säcke voll.

Christine Neubauer: „Erst hier in Ruanda wird mir bewusst, wie dramatisch selbst kleinere Erkrankungen sein können. Ich bin so dankbar und demütig dafür, wie gut es uns in Deutschland geht.“

In einer komplizierten OP entfernte Dr. Heinrich das 1,5 Kilogramm schwere Geschwulst, Evode konnte nach einer Woche das Krankenhaus verlassen (Foto: Peter Müller)
In einer komplizierten OP entfernte Dr. Heinrich das 1,5 Kilogramm schwere Geschwulst, Evode konnte nach einer Woche das Krankenhaus verlassen (Foto: Peter Müller)

Die Bilder der Kinder auf der Krankenstation von Dr. Heinrich wird Christine Neubauer nicht vergessen. Sie riechen nicht nach Tod. Sie duften nach Leben.

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