Nie wieder Angst vorm Lesen!

„’Das erledige ich!’, sagte Herakles und zog los, um den Löwen zu erlegen. Tagelang durchforschte er die Wälder des Peloponnes. Endlich fand er das Ungeheuer.“

Konzentriert blickt Pascal (13) in sein Lesebuch „Die Abenteuer des Odysseus“. Mit fester Stimme liest er die Geschichte des griechischen Helden seiner ehrenamtlichen Mentorin Carola Hirt (64) vor. Die beiden treffen sich regelmäßig einmal in der Woche allein in einem Klassenzimmer der Hamburger Stadtteilschule Lohbrügge zum Lesen– ohne die Beobachtung von Lehrern oder Mitschülern.

Volle Konzentration auf einen Schüler – das ist die Devise des Vereins „Mentor e.V.”. „Lesen ist unerlässlich und die Basis für alles weitere”, sagt Carola Hirt, die sich seit sieben Jahren für den Verein engagiert.

Gegründet wurde die „Mentor”-Initiative 2003 von Otto Stender, einem Hannoveraner Buchhändler, der sich über die schlechten Pisa-Ergebnisse deutscher Schüler geärgert hatte. Die Hamburger Dependance folgte wenige Monate später. Denn in der Hansestadt besteht Nachholbedarf: Beim letzten bundesweiten Vergleich der Lesekompetenz 2011 lagen Hamburgs Grundschüler nur auf Rang 14.

„Mentor” will das ändern. In lockerer Atmosphäre sollen sich die Kinder entfalten können. Viele kostet es zunächst große Überwindung, einen Text laut vorzulesen. Die regelmäßige Übung jedoch schenkt ihnen nicht nur eine bessere Konzentrationsfähigkeit, sondern auch mehr Selbstbewusstsein. 780 Lesehelfer gibt es inzwischen allein in Hamburg. So konnten inzwischen 3000 Kinder aus 100 Schulen betreut werden. Mit Erfolg – rund 2400 Kinder konnten ihre schulischen Leistungen fächerübergreifend verbessern.

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Wer die kostenlose Leseförderung erhält, entscheiden die Lehrer. Sie schlagen den Kindern das Programm vor, das sich an Schüler im Alter von sechs bis 16 Jahren richtet. Anschließend suchen sie gemeinsam mit den Eltern und dem Verein nach einem passenden Mentor.

„Ein Herz für Kinder“ unterstützt die ehrenamtlichen Mentoren seit Jahren, damit sie ihre wichtige Arbeit fortsetzen und weitere Kinder für das Lesen begeistern können.

In den Übungsstunden wird dabei nicht wie im Unterricht gepaukt. Mentorin Hirt: „Obwohl unser Treffen während der Unterrichtszeit stattfindet, ist es keine Nachhilfe, sondern eine entspannte Lesestunde, in der wir uns aber auch über die Geschichte unterhalten.“ So kann die Patin testen, ob das Vorgelesene vom Schüler verstanden wird.

Wichtig ist auch die richtige Auswahl der Bücher. Dicke Wälzer sind eher tabu. „Das ist zu schwierig. Bücher mit abgeschlossenen Kapiteln oder Kurzgeschichten können die Kinder besser verarbeiten und verstehen.“

Geld erhalten die Helfer nicht, dafür bietet der Verein ihnen Fortbildungen und Hilfe bei der Beschaffung von Lernmaterial an. Die Schüler erhalten zudem zur Motivation bunte Pappzettel. Wie auf einer Bonuskarte können die Kinder darauf nach jeder Lesestunde ein Kästchen ausmalen – nach 20 Stunden ist die erste Karte voll und der Status „Lesefloh” erreicht. Wer nach einem Schuljahr 40 Stunden geschafft hat, darf sich „Leseratte” nennen.

Auch Pascal arbeitet eifrig daran, eine „Leseratte” zu werden. Für den Siebtklässler, dessen Lieblingsfächer Sport und Naturwissenschaften sind, ist inzwischen auch das Lesen zum Hobby geworden. „Ich freue mich auf die Stunde mit Frau Hirt, das macht mir großen Spaß. “
Und das ist für die ehrenamtliche Mentorin der schönste Erfolg ihrer Arbeit: „Ich wünsche den Kindern, dass sie Spaß am Lesen finden, denn Lesen stellt die Weichen für das weitere Leben.“

„Ein Herz für Kinder“

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