Kinder aus den Slums können lernen

Durch die langen Jahre des Bürgerkrieges ist die Bevölkerung in der Demokratischen Republik Kongo in große Armut gestürzt worden. Den Familien fehlt es an allem – Nahrung, ärztlicher Betreuung, Geld für Schulgebühren. Alle sozialen Schichten sind davon betroffen.

1995 setzte sich die Fokolarbewegung mit einer Gruppe von engagierten und qualifizierten Mitarbeitern für die Betreuung von Kindern aus bitterärmsten Familien ein. In den Räumen eines ausgeplünderten, leerstehenden Schulgebäudes bot sie ihnen ein familienergänzendes Zuhause und schützte sie somit vor dem verhängnisvollen Schritt zu einem Leben auf der Straße.

Nach einer Gruppe von anfangs 30 Kindern sind es heute über 2200 Kinder aus bitterärmsten Familien, die durch das Sozialprojekt „Petite Flamme“ regelmäßig Hilfe erfahren. Die Kinder in N’Dolo sind überwiegend Kinder von Militärs, die bisher furchtbaren Bedingungen ausgesetzt sind.

Die Grundschule in Kinshasa Njli Brasserie wurde um zwei Klassenräume erweitert (Foto: Privat)
Die Grundschule in Kinshasa Njli Brasserie wurde um zwei Klassenräume erweitert (Foto: Privat)

Viele von ihnen wurden durch den Krieg zu Halbwaisen. Viele der Soldatenväter wurden in Umerziehungscamps geschickt, aus denen sie nicht zurückkamen. Diejenigen, die noch leben, haben kaum Kontakt zu ihren Familien. Etwa 50 Prozent der von „Petite Flamme“ betreuten Kinder leben ohne Vater.

In das Projekt eingegliedert ist weiterhin eine Initiative der speziellen Hilfe für Waisenkinder, deren Eltern an Aids gestorben sind. Für diese Kinder werden kongolesische Familien gefunden, die sie wie ihre eigenen Kinder aufnehmen und adoptieren.

Die Quote der Analphabeten im Kongo ist sehr viel höher als die offiziell geschätzten 77,3 Prozent. Der Zerfall des Schulsystems hat landesweit zu katastrophalen Zuständen im Bildungswesen geführt. Eltern sind verpflichtet, bei Eintritt in die Grundschule Schulgeld zu zahlen, können es aber nicht aufbringen. Darüber hinaus muss der Lehrer ihres Kindes entlohnt werden, der unregelmäßig offiziell 20 Dollar im Monat verdient. Etliche Schulen sind während des Bürgerkriegs zerstört worden.

„Petite Flamme“ ist deshalb dort, wo die Not besonders groß ist. Oft gibt es weder fließend Wasser noch Strom. Es werden nur Kinder aufgenommen, die ohne diese Hilfe nie zur Schule gehen würden. Viele dieser bitterarmen Kinder weisen starke Ernährungsmängel auf. Im Falle einer Krankheit kommt oft jede Hilfe zu spät. Bei „Petite Flamme“ erhalten alle Kinder ein gutes Erziehungs- und Schulprogramm, sowie jeden Tag eine hoch-proteinhaltige Mahlzeit und regelmäßige ärztliche Betreuung. Sobald die Kinder in die weiterführende Schule kommen, werden sie von „Petite Flamme“  in einem Hort betreut. Wenn ein Kind kein Zuhause mehr hat, wird es in Familien vor Ort integriert

Auf dem Gelände der Grundschule ist auch ein neuer Brunnen entstanden (Foto: Privat)
Auf dem Gelände der Grundschule ist auch ein neuer Brunnen entstanden (Foto: Privat)

Insgesamt unterhält  „Petite Flamme“ 14 Einrichtungen mit Vorschule, Grundschule, Sonderschule für Kinder, die bisher keinen geregelten Schulbesuch hatten, Blindenschule, Schulklasse für taubstumme Kinder, Berufsschule für Mädchen, berufsausbildende Einrichtungen für Jungen. Für ältere Kinder ohne Schulvorbildung, die aufgrund der Armut oder gesundheitlicher Probleme spät eingeschult worden sind, gibt es spezielle Lehrer.

In Kikwit gehören zwei Einrichtungen zu „Petite Flamme“: eine Schule und eine Berufsschule.

Die Schule entstand im Jahr 2002 in Kikwit, der größten Stadt der Provinz Bandundu. Die Einrichtung besteht aus einem Kindergarten, einer Grund- und Rückkehrerschule. Da das derzeitige Schulgebäude langsam zerfällt, benötigt der Verein ein neues Schulgebäude mit drei Klassenzimmern. Die Berufsschule ist nur für Mädchen und besteht bisher aus einem großen Saal, der noch verputzt werden muss und eine Dämmung für das Dach benötigt.

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Da die Kosten für den Neubau der Schule nicht gänzlich von der Fokolarbewegung aufgebracht werden können, erklärte sich „Ein Herz für Kinder“ bereit zu helfen, sodass die geplanten Arbeiten umgesetzt und abgeschlossen werden konnten.

Auch im Jahr 2015/2016 unterstützt „Ein Herz für Kinder“ das Sozialprojekt „Petite Flamme“ – diesmal in Kinshasa, wo der Verein neun Einrichtungen unterhält.

VIDEO: Der Brunnen wird eingeweiht

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Die Grundschule in Kinshasa Njli Brasserie wurde 2006 für notleidende Kinder erbaut und wird von 145 Kindern im Alter von 6-12 Jahren besucht. Es stehen 4 Klassenräume zur Verfügung. Für die offizielle Anerkennung der Schule seitens des Bildungsministeriums fehlen 2 Klassenräume und getrennte sanitäre Anlagen für Jungen und Mädchen. In der völlig abgelegenen Gegend gibt es noch keine Wasserleitungen. Zurzeit wird der Maisbrei mit Flusswasser gekocht. Der Boden mit hochliegenden Wasseradern bietet sich für einen Brunnen direkt auf dem Gelände an. Deshalb soll hier mit Hilfe von „Ein Herz für Kinder“ ein Wasserturm errichtet und die Schule um zwei Klassenräume erweitert werden.

Die Kinder der Grundschule können zum ersten Mal frisches Wasser holen (Foto: Privat)
Die Kinder der Grundschule können zum ersten Mal frisches Wasser holen (Foto: Privat)

Und für ein weiteres Vorhaben gibt es Unterstützung: „Petite Flamme“ hat vor allem in der Peripherie von Kinshasa mehrere Schulen für hilfsbedürftige Kinder, die täglich einen Soja-Maisbrei bekommen. Der bisherige Toyota-Pick-up ist seit 17 Jahren täglich auf den gelöcherten Straßen in den entfernten Stadtteilen unterwegs. Er kann mit jedem Tag ganz ausfallen. Seit langem ist „Petite Flamme“ schon auf der Suche nach einer Organisation, die einen Pick-up finanzieren würde. Er soll als Lieferwagen für Zucker, Mais und Soja dienen.

„Ein Herz für Kinder“

BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“
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