Steinbruch-Mädchen darf jetzt zur Schule gehen

Rina weiß jetzt, wie alt sie ist. „Sieben Jahre“, sagt sie, steht auf und spricht ein kleines Gedicht. Es handelt von Indien und davon, wie stolz das Land auf seine Kinder sein kann. Rina hat es in der Schule gelernt.

Fünf Jahre ist es her, dass wir Rina zum ersten Mal sahen. September 2004, Zeitungen in aller Welt hatten ihr Foto gedruckt: Ein kleines Mädchen, kaum drei Jahre alt, saß an einem schmutzigen Fluss in Indien und zerschlug mit einem Hammer Steine. „Rina muss arbeiten, damit ihre Familie zu Essen hat“, stand unter dem Bild. Wir wollten mehr wissen. Wir flogen los, fanden Rina am Ufer des Mahananda, in Lumpen gehüllt, mit Hungerbauch und leerem Blick.

Wir sahen Tausende Familien wie ihre, bis zum Horizont saßen sie am Flusslauf – Mütter, Väter, kleine Kinder – und zerschlugen Kieselsteine, die sie zu einem Hungerlohn an Bauunternehmer verkauften.

WAS FOLGTE, IST DIE GESCHICHTE EINES ERFOLGS.

Tausende BILD-Leser, von Rinas Schicksal bewegt, spendeten. Gemeinsam mit „Caritas international“ baute die BILD-Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ rund um den Fluss sieben Vorschulen, um den Kindern einen Ausweg aus ihrem qualvollen Leben zu bieten.

Es ist Sommer 2009. Ein Dutzend Kinder in bunten Kleidern empfängt uns in der Vorschule, einem Haus aus Stein unweit des Flusses. Rina überreicht uns Blumen. „Sie ist sehr klug, hat schnell gelernt“, sagt Frau Anshumala, die Lehrerin. Sie bringt 60 Kindern Lesen und Schreiben bei. 25 schafften im letzten Jahr den Sprung auf eine staatliche Schule. Darunter auch Rina.

Das Mädchen, das vor fünf Jahren keine Schuhe besaß, hat nun eine Schuluniform. Rina geht in die zweite Klasse, ihr Lieblingsfach ist Hindi, Mathe mag sie nicht. Zwei Jahre noch, dann ist sie mit der staatlichen Schule fertig. Danach will sie zur Highschool gehen. Hinter der Vorschule plätschert träge der Fluss. Noch immer schleppen Tausende Steine aus der trüben Brühe.

Auch Rinas Eltern arbeiten hier noch. Wir fragen Rina: Musst du nach der Schule manchmal helfen? Sie lächelt und schüttelt den Kopf. In den Fluss, sagt sie, gehe sie nur noch zum Baden.

„Ein Herz für Kinder“

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