Das lange Leiden des Narben-Mädchens

Es sind Bilder voller Schmerz und Leid, die „Ein Herz für Kinder“ 2008 erreichten! Tetiana (damals 2) lag regungslos auf dem Rücken. Ihre Augen geschlossen, der Mund kaum noch zu erkennen, die Haut lag in Fetzen auf dem kleinen Gesichtchen und dem Bauch.

Die Explosion eines Dieselkanisters machte aus dem einst fröhlichen Kind, ein Mädchen das nicht mehr lachen kann.

Innerhalb von Sekunden fraßen sich die Flammen durch ihre Kleider, verbrannten 35 Prozent ihrer Hautoberfläche und entstellten das Kleinkind bis zur Unkenntlichkeit.

Wochen der Höllenqualen in einem ukrainischen Krankenhaus folgten. Dutzende Operationen. Hautverpflanzungen. Amputationen von Fingern und Fingerkuppen. Schmerzen bis zum Wahnsinn durch die versengte Haut – brennend bei jeder Berührung, pochend und endlos quälend.

Die behandelnden Ärzte waren komplett überfordert, zudem fehlte es an einfachsten Versorgungsmaterialen. Täglich wurde der kleine Körper in Verbände gewickelt. Entgegen den medizinischen Standards erfolgten die Verbandswechsel ohne Narkose. Tetiana durchlitt unerträgliche Schmerzen, denn jede Berührung tat weh.

Aus Kostengründen konnten keine neuen Verbände verwendet werden. Deshalb wurden diese immer wieder gewaschen und erneut benutzt.

Durch die Brandnarben konnte sich Tetiana nicht richtig bewegen, nicht essen. Die Narben im Mundbereich wurden immer wieder mit einem Messer eröffnet.

Die Ärzte in der Ukraine entließen das Kind zum Sterben nach Hause, weil sie nichts tun konnten. „Ein Herz für Kinder“ erreichte der Hilferuf.

Die BILD-Hilfsorganisation handelte sofort und holte das Kind 2008 zusammen mit den Eltern zu Spezialisten nach Deutschland.

In Bad Kreuznach wurde durch plastisch-chirurgische Eingriffe der Mund wieder eröffnet und eine Spalthauttransplantation am Kopf vorgenommen. In der Leiste wurde ein Narbenstrang gelöst, das rechte Ohr aufgerichtet.

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Langsam, ganz langsam wandeln sich Tetianas Qualen aber in Hoffnung.

Dr. Andre Borsche 2008: „Nach Tagen der künstlichen Beatmung auf der Kinderintensivstation und nach den ersten erfolgreichen plastisch-chirurgischen Operationen sieht die Situation schon wesentlich hoffnungsvoller aus.“

Tetiana konnte erstmals wieder selbst trinken und konnte von ihrer Mutter gefüttert werden. Zudem hat sie wieder gelernt, zu laufen. Bislang war ihr kleiner Körper dazu zu schwach.
Es sind ganz winzige, mühsame Erfolge, die Hoffnung schenken.

Nach den Operationen hat sie die Kompressionswäsche erhalten. Es dauerte einige Zeit bis sie sich an die engen Jäckchen, Höschen und die Gesichtsmaske gewöhnte – doch diese Maßnahmen waren für die weitere Heilung unverzichtbar.

Dr. Andre Borsche: „Die Kompressionstherapie ist in diesem Vernarbungsstadium die wichtigste therapeutische Maßnahme.“

In den folgenden Jahren sind durch die regelmäßige Behandlung die Narbenareale weiter ausgereift – damit wurden bessere Vorraussetzungen für weitere plastische Rekonstruktionen von Gesicht, Händen und Bauchwand erreicht. Mehrfach konnte weitere Korrekturen – so auch im Mai 2015 – vorgenommen, so Tetiana heute ohne große Schmerzen leben kann.

„Ein Herz für Kinder“

BILD hilft e.V. „Ein Herz für Kinder“
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