Verzweifelte Veronika: Der Krebs nahm ihr das Augenlicht

Es ist Frühling in Korosten – einer kleinen Stadt in der Ukraine. Die Sonne strahlt vom blauen Himmel, die Vögel singen und so wie viele kleine Kinder, spielt auch die kleine Veronika (4) an solchen Tagen am liebsten draußen.

Zusammen mit ihrer Mutter Svetlana geht sie zum Spielplatz und erobert die Rutsche im Sturm – so als könnte sie sie sehen und nicht nur ertasten. Andere Kinder kommen zu ihr angerannt, sie sind interessiert. Doch dann, wenn sie dem Mädchen nahe kommen, laufen sie entsetzt ganz schnell wieder weg. Svetlana: „Dann muss ich weinen, aber meine Tochter sieht meine Tränen ja nicht, genauso, wie sie den Schrecken in den Gesichtern kleiner Kinder bei ihrem Anblick nicht bemerkt.“

Augen groß wie Tischtennisbälle entstellen das Gesicht von Veronika. Sie hat Krebs, der die Sehnerven befallen hat. Die Tumore drücken auf die Nervenstränge, sodass die Augäpfel aus den Höhlen gedrückt werden.

Inzwischen kann das Mädchen die Augen nicht mehr schließen, leidet unter schrecklichen, quälenden Schmerzen besonders in der Nacht. Svetlana: „Die Augen trockneten im Schlaf aus und fielen buchstäblich aus dem Kopf – wir hielten sie mit den Händen zurück, und Veronika hatte Angst erneut einzuschlafen, weil sie fürchtete, der Albtraum könnte sich wiederholen.“

Die Ursache für diesen Tumor im Mittelhirn, der häufig Kinder trifft, ist unklar, man vermutet aber genetische oder Umwelteinflüsse. Veronikas schlimme Erkrankung könnte eine Spätfolge der Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl sein, denn ihre Heimatstadt wurde von dem Atom-Unfall besonders schwer getroffen.

Ganz schleichend und zunächst harmlos machte sich die Krankheit bemerkbar. Der Mutter fiel auf, dass sich Veronika vor einem Jahr immer häufiger die Augen rieb. Sie waren gerötet, zunächst dachte die Familie an eine Allergie. Dann kamen die Schmerzen hinzu, das Mädchen mit den blonden Haaren konnte Gegenstände plötzlich nur noch verschwommen erkennen.

Veronika, die sich immer so gerne ihre Bilderbücher ansah und in der Krippe den Spitznamen „Biblothekarin“ hatte, konnte wenige Wochen später gar nichts mehr sehen. Und auch ihre Freunde aus dem Kindergarten vermieden den Kontakt mit ihr, weil sich ihre Augen immer mehr aus dem Kopf wölbten. Svetlana: „Meine Tochter freundete sich immer leicht, schnell und fest an – sie ist ein kommunikatives Kind, lässt sich von jedem bezaubern und bezaubert selbst auf eine so natürliche Weise. Heute kommt es nicht mehr oft zu positiven Kontakten zwischen ihr und den immer noch sehnlich erwarteten gleichaltrigen Spielkameraden.“

Ein Jahr lang suchte Svetlana zusammen mit ihrem Mann vergeblich nach Hilfe in der Ukraine und Russland. Doch die Ärzte sind ratlos – auch weil ihnen die nötige Erfahrung in der Behandlung von Gliomen fehlt.

Eine schier ausweglose Situation, in der es keine Hoffnung mehr zu geben schien. Svetlana: „Ich war fast sicher, dass es keine Hoffnung mehr gibt. Aber noch weniger fand ich die Kraft, das Leiden meiner Tochter tatenlos mit zu erleben. Ich bin einer von wenigen Menschen in Veronikas Leben, der ihr Aussehen nicht erschreckt. Mich erschreckt nur ihr Schmerz. Ich liebe sie über alles.“

Letztlich bekam sie auch durch die Unterstützung von russischen Hilfsorganisationen den Kontakt zum „Schneider Children’s Medical Center“ in Israel, wo die Ärzte über viel Erfahrung und die nötige Ausrüstung verfügen, um den Krebs erfolgreich bekämpfen zu können.

Monatelang wurde Veronika in Israel behandelt. Zunächst wurde eine intensive Chemotherapie durchgeführt, die die Tumore verkleinerte. Während einer aufwendigen Operationen wurden dann die Krebsgewächse rund um die Sehnerven entfernt, wodurch die Augäpfel wieder in die Augenhöhle zurück gesetzt werden konnten. Ihre Sehkraft konnte dadurch nicht wiederhergestellt werden, aber es war die einzige Chance, um ihr Leben zu retten.

„Ein Herz für Kinder“ unterstützte das tapfere Mädchen im Kampf gegen den Krebs, der vorerst gewonnen zu sein scheint.

„Ein Herz für Kinder“

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