Defekte Mitralklappe erfolgreich operiert

Bis Oktober 2012 führte Yegor (15) ein ganz normales Leben. Er ging in die Schule, unternahm in seiner Freizeit viel mit seinen Freunden. Fußball stand dabei an erster Stelle. Aber er arbeitete auch daran, seinen großen Traum zu verwirklichen – Journalist zu werden. Doch dann änderte sich auf einmal alles.

Durch Schmerzen in der Brust suchte der Teenager aus der Ukraine zusammen mit seiner Mutter einen Arzt auf. In der Klinik wurde festgestellt, das Yegor bereits seit der Geburt an einem Herzfehler leidet. Es wurde eine Mitralklappen- Insuffizienz diagnostiziert, die ohne eine operative Behandlung über kurz oder lang zum Tode führen würde.

Bei einer weiteren Untersuchung im Kinderkardiozentrum in Kiew im November 2012 wurde eine Operation nach der Ross Methode vorgeschlagen. Dabei wird die defekte Aortenklappe durch eine funktionierende künstliche ersetzt.

In der Ukraine gibt es keine andere Operations- und Behandlungsmöglichkeit dieses Herzfehlers. Das würde aber bedeuten, dass Yegor regelmäßig Medikamente einnehmen muss und alle 10-15 Jahre weitere Operationen benötigt, denn die künstlichen Klappen halten nicht ein Leben lang.

In Deutschland gibt es eine Alternative: Hier ist es möglich, die Klappe mit Hilfe des eigenen Körpergewebes zu reparieren. Weitere Behandlungen oder eine fortlaufende medikamentöse Therapie ist nicht notwendig. Deshalb suchte die Familie Hilfe bei den Spezialisten des Deutschen Herzzentrums Berlin, die sich bereits erklärten, Yegor zu operieren.

Da die Eltern die OP-Kosten nicht gänzlich aus eigenen Mitteln decken konnten, erklärte sich „Ein Herz für Kinder“ bereit, die fehlende Summe zu übernehmen. Inzwiwschen konnte Yegor erfolgreich operiert werden und ist gesund in seine Heimat zurückgekehrt. Zuvor gelang es ihm noch, seinen Operateur zu interviewen. Das Ergebnis seiner journalistischen Arbeit können Sie nachfolgend lesen.

Es gibt keinen wichtigeren Beruf

Das Leben ist voller Überraschungen! Ich konnte mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass ich nach Deutschland fliege, dass ich nach Berlin komme! Und genauso wenig konnte ich mir vorstellen, dass ich diesen bedeutenden Herzspezialisten interviewen werde. Aber alles ist möglich, wenn man sich nur darum bemüht!

Mein Gesprächspartner: Stanislav Ovroutski – Oberarzt der Kinderkardiologie mit angeborenen Herzfehlern am Deutschen Herzzentrum in Berlin. Er ist ein guter Spezialist, weil er nicht nur über hervorragende theoretische Kenntnisse verfügt, sondern sie auch in der Praxis anwenden kann, um die Menschen zu behandeln.

Stimmen Sie mir zu: es ist viel schwerer, einen echten Kranken zu behandeln, als die Prüfungen abzulegen und sich dabei einen Kranken vorzustellen. Diesem realen Kranken kann doch schlecht werden, und während der Arzt im Lehrbuch suchen wird, wie man „das“ behandeln soll, kann es schon zu spät sein. Deshalb soll sich der gute Arzt nicht nur im theoretischen Stoff zurechtfinden, sondern auch wissen, was man in der lebenswichtigen Situation machen soll. Nicht jedem gelingt es.

Dr. Ovroutski ist sehr nett und verfügt über viel Sinn für Humor, was auch wichtig ist. Das wirkt sich positiv auf die Gesundheit der Patienten aus. Sie fragen, wie?

Ein einfaches Beispiel: Sie sind erkältet und der Arzt erklärt Ihnen die schlechten Folgen, die bei Komplikationen möglich sind. Und die andere Variante: „Sie haben eine Erkältung? – Also, das macht nichts, das ist heilbar“! Nach welchem Gespräch werden Sie sich mehr traurige Gedanken machen?

Yegor: Stanislaw Ovroutski, warum haben Sie den Beruf des Arztes gewählt?

Ovroutski: „Ich habe diesen Beruf vor langer Zeit gewählt, deshalb ist es jetzt für mich kompliziert, auf diese Frage zu antworten.“

Yegor: Und warum haben Sie sich entschieden, Kinderarzt zu werden?

Ovroutski: „Wahrscheinlich unbewusst. Meine Großmutter war Notfallärztin.“

Yegor:Sie haben gesagt, dass Sie schon lange als Arzt arbeiten. Darf ich fragen, wie lange? Haben Sie von Anfang an im Berliner kardiologischen Zentrum gearbeitet, oder haben Sie früher schon an anderen Krankenhäusern gearbeitet?

Ovroutski: „Von Anfang an habe ich hier gearbeitet, und es war gar nicht vor langer Zeit: 1999 habe ich das Studium an der Universität beendet.“

Yegor: Erinnern Sie sich noch an den ersten Patienten?

Ovroutski: „Ich erinnere mich nicht, wer der erste Patient war. Ich erinnere mich nur, dass das alles vom Morgen bis zum nächsten Morgen dauerte…“

Yegor: Haben Sie irgendwelche lustigen Fälle mit Patienten gehabt, oder Fälle, die Ihnen in Erinnerung geblieben sind?

Ovroutski: „Das ist eine komplizierte Frage. Ich erinnere mich im Prinzip an alle Patienten. Deshalb sind alle Fälle einprägsam. Die lustigen Fälle, vom Gesichtspunkt der medizinischen Ethik, sind schwer zu bewerten. Was der Arzt lustig findet, findet der Patient wahrscheinlich gar nicht lustig. Und es waren sehr viele Patienten. Es geschieht jeden Tag.“

Yegor: Und wie haben Ihre Eltern zu Ihrer Berufswahl gestanden?

Ovroutski: „Positiv! Meine Großmutter, die Mutter meines Vaters, wie ich schon sagte, war Ärztin, so konnten die Eltern keinesfalls etwas dagegen haben. Und der Beruf des Arztes ist gottgefällig, das hat auch ihre Meinung beeinflusst.“

Yegor: Was ist das Wichtigste in der Arbeit eines Arztes?

Ovroutski: „Die Aufmerksamkeit und… noch einmal die Aufmerksamkeit!“

Yegor: Arbeiten Ärzte für Erwachsene und Kinderärzte auf verschiedene Weise?

Ovroutski: „Ja, natürlich. Beim Kinderarzt sind es drei Patienten gleichzeitig!“

Yegor: Was dürfen Ärzte nicht machen und ohne welche Dinge ist ihre Arbeit unmöglich?

Ovroutski: „Oh, was für eine schwierige Frage! Was dürfen Ärzte bestimmt nicht machen? Wahrscheinlich darf man sich nicht unseriös gegenüber einem Patienten verhalten. Das bedeutet nicht, dass man mit ihm nicht scherzen darf, aber seine Probleme muss man immer ernst nehmen. Es ist manchmal sehr kompliziert, weil die Patienten sehr verschieden sind. Aber eines darf man überhaupt nicht machen: das Problem eines Menschen auf die leichte Schulter nehmen. Die Form hat eigentlich keine Bedeutung. Und wenn wir das alles in einer konkreten Situation betrachten, so ist meine Arbeit ohne Klinik und Menschen, mit denen ich arbeite, unmöglich. Alles Übrige verlangt eine bestimmte Hingabe. Und natürlich ist es unmöglich, ohne ein positives Ergebnis zu arbeiten. Wir nehmen aber kein anderes Ergebnis an.“

Yegor: Kennen Sie die medizinische Situation in der Ukraine? Was meinen Sie, kann der ukrainischen Medizin helfen, damit sie auf ein höheres Niveau kommen könnte, vielleicht auf das Niveau der deutschen Medizin?

Ovroutski: „Leider kenne ich die ukrainische Medizin nicht. Man kann keine Vermutungen haben, keine Schlussfolgerungen aus einer Situation ziehen, keine Empfehlungen machen, wenn man über minimale fragmentarische Informationen verfügt. Das wäre respektlos gegen die Ärzte, die dort arbeiten, und das stellt uns in die Position von irgendwelcher programmierten Überlegenheit, die es vielleicht gar nicht gibt. Deshalb ist es für mich kompliziert, auf diese Frage zu antworten. Was die deutsche Medizin betrifft: Meiner Meinung nach hat sie eine hohe Qualität. Aber ich kann nicht vergleichen. Die deutsche Medizin ist gut, weil unsere verantwortliche Arbeit eine bestimmte Qualität verlangt. Aber es ist unmöglich, uns mit den ukrainischen Ärzten zu vergleichen. Das Leben ist voller Überraschungen: Gestern konnte ich nicht vermuten, was heute geschehen wird, und heute kann ich mir nicht vorstellen, was morgen passiert. Dasselbe kann man über die Medizin sagen. Sie bleibt nicht stehen. Sie entwickelt sich in die richtige Richtung.“

Unser Leben wäre viel schwerer, wenn es keine Ärzte gäbe. Sie retten uns. Danken wir es ihnen wenigstens mit unserem Verständnis. Wenn wir ihre Anweisungen befolgen, erleichtern wir nicht nur ihre Arbeit, sondern retten auch unser eigenes Leben. Die Gesundheit ist das Wichtigste, und die Ärzte schenken sie uns. Und diese Geschenke muss man schätzen!

„Ein Herz für Kinder“

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