Frühchen-Mutter starb im Todes-Zug

Ganz vorsichtig hält die Mutter ihr Baby im Arm. Das Frühchen (2250 Gramm) ist in eine Decke gehüllt, auf der linken Wange klebt ein Pflaster mit einer Sonde. Es ist das letzte Foto von Michaela Zöschg (35) mit ihrem Sohn Peter. Einen Tag später war die junge Frau tot. Die Hotel-Angestellte starb bei dem schweren Zugunglück vor 10 Tagen in Südtirol (Italien).

Ein Erdrutsch hatte die Bahn in die Tiefe gerissen. Michaela Zöschg saß wie die anderen acht Todesopfer im vorderen Abteil. Sie war auf dem Weg in die Klinik von Bozen, um ihrem zwei Wochen alten Sohn auf der Frühchenstation Muttermilch zu bringen. Davor wollte sie noch kurz ihre Mutter Maria, Peters Oma, besuchen.

Kurz vor 9 Uhr morgens schrieb Michaela ihre letzte SMS: „Mama, um halb zehn bin ich bei dir.“ Um 9.03 Uhr wurde die Diesellok vom Schutt begraben. Maria Zöschg (53): „Als meine Tochter nicht gekommen ist, habe ich sie am Handy angerufen. Es hat ganz normal geklingelt. Dann fuhren Rettungswagen mit Blaulicht an mir vorbei.“

Ihr Sohn, Feuerwehrmann, hörte als Erster vom Unglück. Sofort fuhr Michaelas Lebensgefährte Armin (38), Peters Vater, zur Unfallstelle. „Nein, Ihre Freundin ist nicht auf der Opferliste“, sagte ihm ein Helfer. Der Lehrer fragte im Krankenhaus nach, wo die Verletzten behandelt wurden – niemand wusste etwas von Michaela. Er ging in die Leichenkapelle der Klinik. Dort sah er seine Freundin liegen, neben den anderen Toten.

„Sie war mit Schlamm verkrustet, kaum zu erkennen, im Lehm erstickt.“ Unter dem Kruzifix in ihrer Küche weint Maria Zöschg. Vier Tage vor Peters Geburt starb ihr Mann (58). Herzinfarkt. Zwei Todesfälle in einer Familie innerhalb von 18 Tagen.

„Wäre der Zug nur zehn Sekunden früher an der Unfallstelle vorbeigekommen, wäre nichts passiert“, sagt sie. „Am schlimmsten finde ich, dass Peterle nie eine Mama haben wird. Wenn ich ihn halte, sehe ich Michaela vor mir: dieselbe Nase, derselbe Mund. Peterle gibt mir wieder Lebensmut. Wenn es sein Vater möchte, werde ich ihn großziehen.“

Peter, der eineinhalb Monate zu früh auf die Welt kam, ist inzwischen gesund. Nächste Woche kann er die Klinik verlassen. Die BILD-Hilfsorganisation „Ein Herz für Kinder“ unterstützt den Jungen.

„Ein Herz für Kinder“

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